AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Arbeitskreis in Baden-Württemberg

Rhein-Neckar-Zeitung berichtet

am 22.12.2017
Übergriffe gegen Sinti und Roma - 30 Straftaten registriert 
Von Tobias Schmidt, RNZ Berlin Berlin.
Seit Januar werden erstmals Straftaten gegen Sinti und Roma in der Statistik der Kriminalpolizei geführt, sodass antiziganistische Gewalt trennscharf erfasst werden kann. Von Januar bis Ende November wurden demnach 30 politisch motivierte Straftaten gegen Sinti und Roma verübt. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.


Bei einem Angriff wurde ·eine Person verletzt, in einem Fall ein von Sinti und Roma bewohntes Haus gezieft attackiert. Bei sechs Straftaten handelte es sich um antiziganistische Äußerungen in sozialen Medien. Da die Statistik erst seit Januar geführt werde, seien Langzeitvergleiche nicht möglich, erklärt das Bundesministerium und ergänzt: „Jedoch betrachtet die Bundesregierung auch ohne eine entsprechende datenbasierte Lageentwicklung den Antiziganismus, welchem Sinti und Roma in Deutschland und Europa ausgesetzt sind, mit Sorge."

Ulla Jelpke, Vizefraktionschefin der Linkspartei, begrüßte, dass antiziganistische Straftaten nun unter dem Stichwort „Hasskriminalität" erfasst werden. „Dass es seit Beginn der Erfassung ini Januar 2017 ,nur' 30 solcher Straftaten gegeben haben soll, wäre - verglichen etwa mit antisemitischen Straftaten - erfreulich", sagte Jelpke. „Jedoch bleibt angesichts der großen Differenz in der Problemwahrnehmung Skepsis." Der Zentralrat der Sinti und Roma wirft auch den deutschen Behörden Diskriminierung bis hin zum sogenannten „Racial Profiling" vor, wobei Menschen nach ihrer Volksgruppenzugehörigkeit betrachtet werden.
Quelle: rnz 2017 Dez. 22.

 

2016: „In Stuttgart hat man Berührungsängste“ - ein Interview

Quelle: Stuttgarter Zeitung | Mit freundlicher Erlaubnis vom 19.12.2016 | Download als pdf-Datei

Von Nina Ayerle, 16. Dezember 2016

Pfarrer Andreas Hoffmann-Richter reist durch das Land und macht sich stark für eine Minderheitengruppe, für die sich sonst wenige einsetzen. Er ist Beauftragter für Sinti und Roma bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Stuttgart - Die Stadt Stuttgart plant Bänke an der Königstraße zu verlegen, damit osteuropäische Armutsmigranten dort nicht nächtigen. Auch Verantwortliche der Vesperkirche klagten dieses Jahr über Schwierigkeiten mit Sinti- und Roma-Gruppen. Pfarrer Andreas Hoffmann-Richter ist Beauftragter für Sinti und Roma bei der evangelischen Landeskirche. Er reist durchs Land und informiert über die Minderheitengruppe.

Herr Hoffmann-Richter, in der Stuttgarter Vesperkirche gab es in diesem Jahr Probleme mit Armutsmigranten aus Osteuropa. Sie haben nun dort einen Infoabend für die Mitarbeiter abgehalten. Warum ist der Umgang mit dieser Bevölkerungsgruppe, die bei uns allgemein als Sinti und Roma bezeichnet wird, oft schwierig?

Weiterlesen: 2016: „In Stuttgart hat man Berührungsängste“ - ein Interview

Über den AK Sinti/Roma und Kirchen in BW

Der Arbeitskreis Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, Diskriminierung und Vorurteile allgemein und insbesondere gegenüber Sinti und Roma in der Gesellschaft und auch in den Kirchen wahrzunehmen, kenntlich zu machen und zu überwinden. Er will über die Struktur und Funktionsweise von Antiziganismus aufklären und zur Verständigung zwischen Mehrheitsgesellschaft und Sinti und Roma beitragen.

Der Arbeitskreis entstand aus einer Nachfrage der evangelischen japanischen Kirchen an die EKD bei einer Kirchenkonsultation 1993 zur Zusammenarbeit mit Minderheiten in Deutschland. In der Folge haben mehrere Delegationen zusammen mit Vertretern von Organisationen der Sinti und Roma Japan besucht und die dortige Anti-Diskriminierungsarbeit für „Buraku" kennen gelernt. 1999 wurde dann dieser Arbeitskreis gegründet.

WEITERLESEN: Vorgeschichte des Arbeitskreises