AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Evangelische Landeskirche in Württemberg

Logo der Evangelischen Landeskirche in WürttembergIn Baden-Württemberg gibt es zwei evangelische Landeskirchen: die württembergische und die badische Landeskirche. Zur lutherisch geprägten Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehören rund 2,1 Millionen Christen in rund 1.300 Kirchengemeinden. Sie ist die sechstgrößte der insgesamt 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)... Die Kirchenleitung hat ihren Sitz im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart. [Quelle]

2018: Aufruf gegen Antiziganismus - Landesbischof

Auf Seite 21-22 des Bischofsberichtes findet sich ein Aufruf des Landesbischofs gegen Antiziganismus und zum Gedenken an die Opfer der Verfolgung von Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten. Wir freuen uns, dass dieses Thema so ausführlich an dieser offiziellen Stelle und in Form eines Gemeindeaufrufs Platz angesprochen wird – ein Signal an kirchliche und außerkirchliche Initiativen, dass die Landeskirche nicht nur in der Arbeit des AK und des Landespfarramts für die Arbeit mit Sinti und Roma, sondern auf gesamtkirchlicher Ebene Anliegen der Sinti und Roma für sich aufnimmt und an die Gemeinden vermittelt. 

Der gesamte Bericht des Bischofs 

Und hier der der Auszug  "b. Antiziganismus" von Seite 21-22:

Zum anderen möchte ich den Blick der Kirche und der Gemeinden verstärkt auf eine weitere Gruppe lenken, die bis in unsere Tage hinein großen Vorurteilen und Diskriminierungen im alltäglichen Leben ausgesetzt ist. Aktueller Anlass ist ein trauriger Jahrestag. Als sogenannte „Zigeuner“ wurden diese Menschen unter den Nationalsozialisten verfolgt, entrechtet und im März 1943, vor genau 75 Jahren, nach Auschwitz-Birkenau verschleppt – mehr als 456 Menschen allein aus Baden-Württemberg wurden dort ermordet, insgesamt verloren eine halbe Million Sinti und Roma in den Konzentrationslagern ihr Leben. Damit geschah eine ungeheure Verletzung der von Gott selbst verliehenen Menschenwürde. Auch die Kirchen waren aktiv und passiv an der Verfolgung der Sinti und Roma, die zum Großteil ihre eigenen Glaubensgeschwister waren, beteiligt – durch den Verrat ihrer Namen und die Verweigerung, sie vor der Verfolgung zu schützen. Bis heute leiden die Familien der Ermordeten und die Überlebenden unter dem, was ihren Familien angetan wurde. Am Jahrestag der größten Deportation, am 15. März dieses Jahres, Donnerstag nächster Woche, gedenken wir ihrer in einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst in Zusammenarbeit mit Sinti und Roma in der Stuttgarter Stiftskirche und an der Gedenkstätte am Nordbahnhof.

Im Jahre 2013 haben wir in der Synode in Biberach als Landeskirche den Anteil der Kirchen an der Diskriminierung und Verfolgung der Sinti öffentlich als Schuld bekannt und dafür um Vergebung gebeten. Seit 18 Jahren ist der Arbeitskreis „Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg“ tätig – an die Erfahrungen dieses Arbeitskreises, der als beispielhaft in ganz Deutschland angesehen wird, knüpfen seit der Tagung über Antiziganismus in der Evangelischen Akademie Bad Boll im vergangenen Dezember nun auch Kirchen der ganzen EKD mit dem Ziel der Gründung eines bundesweiten Netzwerks an. Es ist meine dringliche Bitte an alle unsere Gemeinden, sich dieser Aussage aus dem Jahr 2013 zu erinnern und innerlich an diesem Gedenktag 2018 Anteil zu nehmen.“