AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Öffentliches Gedenken

2018: 75 Jahre Deportationen

Presseerklärung vom 15.03.2018. Verband Deutscher Sinti und Roma e.V., Landesverband Baden-Württemberg

"So werden wir Träger von Todesängsten".
75. Jahrestag zum Gedenken an die 
Deportationen von Sinti und Roma

"Ich bin eine Generation nach Auschwitz geboren und bin mit der beunruhigenden Vorstellung aufgewachsen, dass die humanistischen Ideale und republikanischen Utopien jederzeit widerrufbar sind. Mein Vater Heinz Strauß überlebte Auschwitz und Buchenwald. Meine Mutter, Maria Strauß, überlebte das Zwangslager Frankfurt-Dieselstraße. Ihre Wunden wurden übertragen in ein soziales Gedächtnis und so werden wir Träger von Todesängsten", sagte Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzende des VDSR BW heute auf der gemeinsamen
Gedenkveranstaltung mit dem Landtag im Neuen Schloss Stuttgart.

Neben der Ministerin Bauer und Staatssekretärin Schopper, hielt auch Herr Neumärker von dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas ein Grußwort. Er ging hierbei vor allem auf die historischen Elemente ein. 1936 erging der "Erlass zur Bekämpfung der Zigeunerplage". Es entstanden sogenannte "Zigeunerlager". Die "Rassenhygienische Forschungsstelle" wurde beauftragt alle Sinti und Roma zu erfassen mit dem Ziel der "endgültigen Lösung der Zigeunerfrage". Am 16. Dezember 1942 erfolgte der "Auschwitz-Erlass" in dem der Transport von europäischen Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau angeordnet wurde. Und heute. Am 15. März 1943 erfolgten die ersten Deportationen. Mehr als 230 Sinti und Roma aus Württemberg und Hohenzollern, die meisten Frauen und Kinder, wurden vom Stuttgarter Nordbahnhof mit Zügen von den Gleisen an der Otto-Umfrid-Strasse direkt in das "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau deportiert. Hunderttausende Sinti und Roma wurden in Europa ermordet, sie starben in Gaskammern, durch Erschießung, Zwangsarbeit, Todesmärsche, erbärmlichste Lebensbedingungen oder medizinische Experimente.

Auf der Gedenkveranstaltung des Landtags und des VDSR BW sprachen auch die Schriftstellerinnen Dotschy Reinhardt und Esther Dischereit über die romno und jüdische Perspektive der zweiten und dritten Generation nach Auschwitz. Was bedeutet es Träger_in von Traumatisierung zu sein und wie leicht fällt das Bekenntnis zur Minderheit? Wie gelingt der Spagat zwischen einem freundschaftlichen Aufbruch in die Gesellschaft und Traumatisierung? "Es geht nicht darum sich öffentlich zu bekennen sondern eine Normalität zu schaffen" sagte Esther Dischereit.


 SWR Aktuell Baden-Württemberg: http://bit.ly/2FTY3ST | Video der Sendung vom 15.03.2018 19:30 Uhr (15.3.18) mit Untertitel


Vom Gedenken am Nordbahnhof

1. „Die Schienenschwellen sind traurige Relikte des Weges in den Tod“

2.  Im Gedenken an die Deportation von Sinti und Roma aus Baden und Württemberg 1943

Quelle:  Blog der Evang. Akademie Bad Boll


Vom Verband Deutscher Sinti und Roma zur Verfügung gestellt: 

Interaktive Reise: Ein Tag des Gedenkens

Am 15.3.2018 organisierte der VDSR BW eine Gedenkveranstaltung im Neuen Schloss Stuttgart zum Gedenken an die Deporatationen von Sinti und Roma. Immer mit dabei das Team vom SWR.

„Ich bin eine Generation nach Auschwitz geboren und bin mit der beunruhigenden Vorstellung aufgewachsen, dass die humanistischen Ideale und republikanischen Utopien jederzeit widerrufbar sind. Mein Vater Heinz Strauß überlebte Auschwitz und Buchenwald. Meine Mutter, Maria Strauß, überlebte das Zwangslager Frankfurt-Dieselstraße. Ihre Wunden wurden übertragen in ein soziales Gedächtnis und so werden wir Träger von Todesängsten“, sagte Daniel Strauß in seiner Rede .

PDF-Dateien der Redebeiträge:

Rede von Daniel Strauss

Rede von Theresia Bauer

Notizen zur Rede von Herrn Neumärker


 

 

 

 

 

 

 

 

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