AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

2014: Einführung von Pfr. Dr. A. Hoffmann-Richter - Grußwort des AK

Grußwort für Pfarrer Dr. Andreas Hoffmann-Richter anlässlich seiner Einführung ins Amt als Beauftragter für die Arbeit mit Sinti und Roma im Bereich der württembergischen Landeskirche

3. Dezember 2014 im Haus der Begegnung Ulm

Grußwort des AK

Liebe Schwestern und Brüder - wir sind heute und hier an diesem Ort alle ohne Unterschied Brüder und Schwestern,
lieber Andreas,

Am 1.7.2009 feierten wir hier das 10jährige Bestehen des "AK Sinti/Roma und Kirchen in BW" - er ist also jetzt 15 Jahre alt - und es gäbe ihn nicht ohne Dich.

Du warst in den 80er und 90er Jahren in Kyoto, hast dort mitgearbeitet im Buraku-Befreiungszentrum. Damals haben Dich bei Eurem Abschied aus Japan die Brüder und Schwestern der Partnerkirche mit einem Auftrag entlassen: Kümmere Dich um die Minderheit der Sinti und Roma in Deutschland.

Nein, so darf ich das nicht sagen: Sie sagten, kümmere Dich um Deine Kirche in Deutschland und sorge dafür, dass sie es lernen, mit den Sinti und Roma auf Augenhöhe zu verkehren, sie ernst zu nehmen, sie anzunehmen (was mehr ist als Toleranz!). Denn die Brüder und Schwestern in Kyoto und Du selbst haben erkannt, dass da in Deutschland noch viel nachzuholen ist. Das ist 20 Jahre her. So lange hat es gebraucht, bis Deine Kirche eine halbe Stelle bereit gestellt hat.

Während Deiner Zeit im DIMOE hattest Du ja schon die Möglichkeit, der Beauftragung durch die jap. Kirche nachzukommen. In dieser Zeit gab es viele Gespräche auf vielerlei Ebenen an deren Ende stand der "AK Sinti/Roma und Kirchen in BW". Mit Deinen Erfahrungen aus Japan, den vielfältigen Begegnungen mit Sinti und Roma, dem Studium von Geschichte und Lebenswirklichkeit dieser größten Minderheit in Europa bist Du das Herz des AK und der richtige Mann für die Zusammenarbeit - über unsere Landesgrenzen hinweg.

Es entspricht ja ganz den Intentionen des Landesverbandes deutscher Sinti und Roma, wenn Du Dich besonders im Bildungsbereich engagiert hast und auch weiterhin engagieren wirst. Wir freuen uns mit Dir, dass an dieser Stelle eine Menge passieren konnte und weitergeht. Dein Verstehen und Deine Verstehenshilfen brauchen wir dringend auch in Zukunft. Dafür - so hoffen wir - wirst Du künftig mehr als jetzt Zeit haben.

Du hast auch in schweren Zeiten viele Kontakte und Beziehungen z.B. nach Ravensburg gefördert und vertieft. Dafür steht heute auch die unser Herz erfreuende Musik.

Gut auch, dass Dein Blick über BW hinausgeht und Europa mit seinen Minderheiten, bes. der der Sinti und Roma einschließt. Hier gibt es wieder neue Herausforderungen, auf die Du Dich künftig noch mehr einlassen wirst als bisher. Wir wünschen Dir auch hierfür Weisheit, Kraft und Geduld.

Wir, das ist der "AK Sinti/Roma und Kirchen in BW". Aber darüber hinaus stehen neben deiner Landeskirche auch die Deutsche Ostasienmission - der Vorsitzende in Berlin lässt herzlich grüßen - und die EMS hinter Dir. Die DOAM hat allerdings keine Gelder zur Verfügung, aber sie weiß, wie wichtig internationale, sprich ökumenische Verbindungen und Zusammenarbeit sind.

Wir spüren manchmal, wie schwer es uns fällt, den sog. Anderen auf Augenhöhe zu begegnen. Viel lieber helfen wir, spenden wir, oft teilen wir das was wir haben. Aber wie selten findet das statt, dass wir unser Leben teilen, dass wir Solidarität praktisch umsetzen. Du bist gesandt zu den christlichen Kirchen in Deutschland oder Baden-Württemberg. Gesandt von den diskriminierten Menschen in der jap. Gesellschaft hineinzuwirken in die Mehrheitsgesellschaft unserer Kirchen. Für diesen Weg, den Du nun schon 20 Jahre lang mit Deiner Frau gehst wünschen Dir der "AK Sinti/Roma und Kirchen in BW" und die DOAM Hoffnung, jene Hoffnung, die uns alle im Leben und bei der Arbeit trägt und von der die Tageslosung spricht: (Ps. 28,7)

Auf den HERRN hofft mein Herz, und mir ist geholfen.
Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied.

Unser gemeinsamer Weg in Baden-Württemberg (und Deutschland) scheint noch lange nicht an sein Ziel gekommen zu sein. Einen langen Atem kann man sich nur erhalten, wenn man Hoffnung hat. Dann können wir alle mit Herz und Mund gemeinsam singen.

Über den AK Sinti/Roma und Kirchen in BW

Der Arbeitskreis Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, Diskriminierung und Vorurteile allgemein und insbesondere gegenüber Sinti und Roma in der Gesellschaft und auch in den Kirchen wahrzunehmen, kenntlich zu machen und zu überwinden. Er will über die Struktur und Funktionsweise von Antiziganismus aufklären und zur Verständigung zwischen Mehrheitsgesellschaft und Sinti und Roma beitragen.

Der Arbeitskreis entstand aus einer Nachfrage der evangelischen japanischen Kirchen an die EKD bei einer Kirchenkonsultation 1993 zur Zusammenarbeit mit Minderheiten in Deutschland. In der Folge haben mehrere Delegationen zusammen mit Vertretern von Organisationen der Sinti und Roma Japan besucht und die dortige Anti-Diskriminierungsarbeit für „Buraku" kennen gelernt. 1999 wurde dann dieser Arbeitskreis gegründet.

WEITERLESEN: Vorgeschichte des Arbeitskreises

Gedenktage

27. Januar: 1945 Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz
15. März: 1943 Deportationen aus Baden & Württemberg
08. April: Internationaler Romatag
16. Mai: 1940 Deportationen (Hohen-asperg) gemäß "Grenzerlaß" (Elsass, Saarland, Baden/Karlsruhe) 
02/03. August: 1945 "Auflösung" von Auschwitz-Birkenau
16. Dezember: 1942 Himmler-Erlass.

"AUF WIEDERSEHEN IM HIMMEL!" - Vor 75 Jahren (1942) besiegelte der "Auschwitz-Erlass" den Mord an den Sinti und Roma. Seit 1994 wird am 16. Dezember der verfolgten und ermordeten Sinti und Roma gedacht. Heinrich Himmlers "Auschwitz-Erlass" leitete vor 75 Jahren den Genozid im Vernichtungslager ein.