AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Arbeitskreis in Baden-Württemberg

Vorgeschichte des AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg

(Nachschrift eines mündlichen Berichts von Andreas Hoffmann-Richter im WAW-AK Ostasien vom 17.06.2013 in Ulm-Wiblingen)

Vor der Gründung des Arbeitskreises Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg gab es sporadisch Kontakte und Arbeit von christlichen Gruppen unter Sinti oder Roma, stellenweise auch in Kooperation mit Sinti. Eine ständige Kooperation war daraus nicht hervorgegangen. Das war der Grund, warum die japanische Delegierten 1995 in Deutschland keine kirchliche Arbeit fanden, mit der das japanischen Buraku-Befreiungszentrum der Vereinigten Kirche Christi in Japan (Kyodan) hätte kooperieren können. Die Delegierten der EKD auf der Deutsch-Japanischen Kirchenkonsultation 1993 in Leipzig gingen noch davon aus, dass die Kirchen in Deutschland eine solche Kooperation zu bieten hätten.

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Porträt: Die Roma-Aktivistin Magdalena Guttenberger

"Wissen ist alles"

Aus Angst vor Diskriminierung verbergen viele Roma und Sinti ihre Zugehörigkeit zu dieser Minderheit. Magdalena Guttenberger aus Ravensburg, Württemberg, geht offen auf die Nicht-Sinti zu und tritt für eine gerechte Behandlung der Roma und Sinti ein.

In Ravensburg kennen sie viele, und bei jeder Begegnung hat sie ein freundliches Wort oder eine humorvolle Bemerkung parat. Magdalena Guttenbergers Augen schauen manchmal besorgt, und sie benennt ihre bisweilen düsteren Gedanken zur Zukunft dieser Welt. Aber sie vermittelt ihrer Umgebung in der Gegenwart sehr viel Lebensfreude und menschliche Wärme.

Dabei hat die heute 50-Jährige in ihrem Leben manche Barrieren überwinden müssen. Als Jugendliche kam die Romni aus der Slowakei zu Verwandten nach Stuttgart, und neben den Slowakisch-, Ungarisch- und Romanes-Sprachkenntnissen wurde nun Deutsch die Alltagssprache. In einem Urlaub lernte sie ihren Mann Julius, einen deutschen Sinto, kennen, und wieder überwand sie eine Sprachbarriere: Sie lernte die Aussprache des Romanes der Sinti in Deutschland. Heute, nach mehr als dreißig Jahren Ehe, sagt sie: „Ich habe einen prima Mann und gute Kinder“. Und das sind drei Söhne und mehrere Pflegekinder. Ihr Mann und ihre Kinder unterstützen sie in ihrem Engagement. „Als meine Kinder klein waren, habe ich nach der Schule als erstes immer ihre Ranzen ausgeleert, um mitzubekommen, was sie lernen“, erzählt Magdalena Guttenberger. „Heute helfen mir meine Söhne, meine deutschen Texte zu korrigieren.“

Erst als sie Dreißig war, erfuhr sie, weshalb sie nur so wenige Verwandte hat: Ihre Eltern konnten Trauer und Schweigen überwinden und erzählten vom Tod der Großmutter und anderer Verwandter in Arbeits- und Vernichtungslagern der Nazis und vom Überleben des Vaters, das er vor allem auf seine blauen Augen zurückführte. Magdalena Guttenberger begann aufzuschreiben, was sie über die Angehörigen hörte. Und sie fühlte die Ähnlichkeiten im Familienschicksal, wenn manchmal ihre Schwiegermutter, Martha Guttenberger, über ihre Zeit in Auschwitz reden konnte. Auch darüber entstanden Notizen: Diese Nachrichten sollten der Welt erhalten bleiben.

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Über den AK Sinti/Roma und Kirchen in BW

Der Arbeitskreis Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, Diskriminierung und Vorurteile allgemein und insbesondere gegenüber Sinti und Roma in der Gesellschaft und auch in den Kirchen wahrzunehmen, kenntlich zu machen und zu überwinden. Er will über die Struktur und Funktionsweise von Antiziganismus aufklären und zur Verständigung zwischen Mehrheitsgesellschaft und Sinti und Roma beitragen.

Der Arbeitskreis entstand aus einer Nachfrage der evangelischen japanischen Kirchen an die EKD bei einer Kirchenkonsultation 1993 zur Zusammenarbeit mit Minderheiten in Deutschland. In der Folge haben mehrere Delegationen zusammen mit Vertretern von Organisationen der Sinti und Roma Japan besucht und die dortige Anti-Diskriminierungsarbeit für „Buraku" kennen gelernt. 1999 wurde dann dieser Arbeitskreis gegründet.

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Gedenktage

27. Januar: 1945 Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz
15. März: 1943 Deportationen aus Baden & Württemberg
08. April: Internationaler Romatag
16. Mai: 1940 Deportationen (Hohen-asperg) gemäß "Grenzerlaß" (Elsass, Saarland, Baden/Karlsruhe) 
02/03. August: 1945 "Auflösung" von Auschwitz-Birkenau
16. Dezember: 1942 Himmler-Erlass.

"AUF WIEDERSEHEN IM HIMMEL!" - Vor 75 Jahren (1942) besiegelte der "Auschwitz-Erlass" den Mord an den Sinti und Roma. Seit 1994 wird am 16. Dezember der verfolgten und ermordeten Sinti und Roma gedacht. Heinrich Himmlers "Auschwitz-Erlass" leitete vor 75 Jahren den Genozid im Vernichtungslager ein.