AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Gisela Köllner

Buch: Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit

Karola Fings

Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit.
München 2016, 128 S.


Karola Fings erzählt in diesem schmalen und faktenreichen Band nicht nur Historisches zu Sinti und Roma, wie der Titel zunächst vermuten lässt, sondern nimmt den Leser bereits im ersten Kapitel hinein in die aktuelle Situation sozialer und kultureller Diskussionen. Und dabei kommen sowohl Vertreter*innen von Romanes sprechender Bevölkerungsgruppen zu Wort, aber auch Stimmen aus wissenschaftlichen und unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, die meist der Mehrheitsgesellschaft entstammen.

Im zweiten und dritten Kapitel folgen die geschichtlichen Fakten zur beschriebenen Minderheit bis hin zum Völkermord, dem Porajmos in der Nazizeit. Ein viertes Kapitel ist der Nachkriegszeit, anhaltender Diskriminierung und sehr später Anerkennung des Genozids, aber auch der Entstehung einer vielschichtigen Bürgerrechtsbewegung von Romanes sprechenden Aktiven in Deutschland und anderen Ländern Europas gewidmet.

In knapper und präziser Sprache wird hier auf wenigen Seiten ein Maximum an belegten Fakten geboten, so dass dieses Büchlein nicht nur für einen ersten Einstieg ins Thema zu empfehlen ist, sondern auch als Nachschlagewerk genutzt werden kann. Es genügt nicht nur dem wissenschaftlichen Stand zur Erscheinungszeit, sondern zeigt, im Gegensatz zu manchen älteren Publikationen, die Minderheit als handelnde Akteure. Ausführliche Literaturhinweise bieten dem Interessierten Möglichkeiten zur Vertiefung. Diesem Buch ist eine weite Verbreitung als Grundlage fundierter Auseinandersetzungen zu Themen wie Diskriminierung und Antiziganismus zu wünschen, und auch als Motivation für das verstärkte aufeinander Zugehen und die intensivere Zusammenarbeit zwischen Menschen und Organisationen der Mehr- und der Minderheitsgruppen.

Gisela Köllner, 2019