AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Rede von Robert Reinhardt am 15.09.2019 im Ulmer Münster

Im Rahmen des Romno Power Festivals hielt Robert Reinhardt (Vorstandsmitglied im Landesverband de Deutschen Sinti & Roma in BW) eine Rede im Ulmer Münster (15.09.2019):
Mit freundlicher Erlaubnis des VDSR.


Wir in unseren Landesverbänden überall in der BRD berichten und schildern die Ereignisse der NS-Zeit, ohne den Nachfolgegenerationen der sogenannten Mehrheitsgesellschaft Vorwürfe über diese abscheulichen Taten, die von vielen der Väter und Vorväter begangen wurden, zu machen. Dieses Geschehene können wir nur gemeinsam aufarbeiten. Wir sind Deutsche und haben in der Gesellschaft dieselben Rechte und Pflichten wie alle anderen auch. Wir deutschen Sinti leben seit 15-16 Generationen hier – also seit ca. 700 Jahren – und wir gehören zu diesem Land wie Maultaschen mit Kartoffelsalat oder Linsen und Spätzle und die ach so geliebte Kehrwoche.

Wir wissen auch, dass das Wissen über die Vernichtungsmaschinerie und propagandistischen Auswüchse jener Zeit nur sehr wenigen bekannt ist. Weder in den konfessionellen noch in den schulischen Einrichtungen wurde und wird darüber ausreichend berichtet. Die Folge ist also, dass in der Gesellschaft insgesamt dieses Wissen nur sehr dürftig vorhanden ist.

Für mich persönlich ist es sehr schwierig, über die Ereignisse jener Zeit zu sprechen, da ich als indirekt Betroffener psychisch sehr belastet bin und innerlich in die Knie gehe, wenn ich über diese Gräueltaten jener Zeit, in der sehr viele meiner Angehörigen ihr Leben lassen mussten, berichte.

Dies ist aber sehr wichtig und dringender als je zuvor, denn der nationalistische Geist streckt wieder seine Fänge aus, verübt Anschläge und droht mit personifizierter Gewalt und setzt diese auch um. Diese Entwicklung ist sehr gefährlich, nicht nur für die Minderheiten in unserem Land, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Diese Vergangenheit muss gelehrt werden, um für die Gegenwart und für die Zukunft gegen den Nationalismus, der dieses Land an den Rand des Untergangs getrieben hat, gewappnet zu sein. “Wer die Freiheit der Meinungsäußerung zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte.“ (Artikel 18 des Grundgesetzes). Max Mannheimer, Holocaust-Überlebender, gestorben am 23.09.2016, sagte einmal: “Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.”


 

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