AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Delegation des Zentralrates erneuert den Appell zur Erhaltung der Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma

15. Dezember 2011, Pressemitteilung zur Bundesratssitzung am 16. Dezember 2011, 09.30 Uhr

Bundesrat erinnert an die Opfer des NS-Völkermords
Delegation des Zentralrates erneuert den Appell zur Erhaltung der Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma

Romani Rose weist den Bundesrat erneut auf die Notwendigkeit von Schutz und Erhaltung der Grabstätten von NS-verfolgten Sinti und Roma hin und fordert endlich eine Entschließung des Bundesrates. Diesen Gräbern drohe wegen abgelaufener Grabrechte die endgültige Beseitigung. Die Delegation bittet um eine entsprechende bundesweite Regelung, auf die die Angehörigen vertrauen können. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Richard von Weizsäcker, Rita Süssmuth, Martin Schulz, Petra Pau, Friede Springer, Klaus Staeck und viele andere unterstützten als Erstunterzeichner diesen Appell. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, tritt gleichermaßen für den Erhalt dieser Grabstätten ein.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erwartet vom Bundesrat nach den langen Verhandlungen jetzt eine Empfehlung an die Städte und Gemeinden, daß auf kommunalen Friedhöfen die Ruhezeiten für Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma auf Dauer und als denkmalsgeschützte Stätten erhalten werden. Die entsprechenden Entscheidungen sollen die kommunalen Träger vor dem Hintergrund des Schicksals der Minderheit im Nationalsozialismus treffen, die familienweise verfolgt und ermordet wurden und als gesamte Volksgruppe vernichtet werden sollten.

Die kulturelle Identität der nachfolgenden Generationen von Sinti und Roma wurde und wird durch die Erfahrung des Holocaust nachhaltig geprägt. Die Grabstätten haben für die Familien eine besondere Bedeutung als Familiengedächtnisstätten, da es für die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Angehörigen keine Grabstätten gibt. Die Gräber haben in der Regel eine besondere Gestaltung und auf vielen Grabsteinen wird ausdrücklich an Verwandte erinnert, die in KZ-Lagern umgekommen sind. Diese etwa 2.500 Grabstätten sind aufgrund ihrer besonderen Geschichte historisch erhaltenswerte Anlagen, die unter Gesichtspunkten des Denkmalschutzes dauerhaft erhalten werden sollen. Die Bundesrepublik Deutschland erhalte selbstverständlich hunderttausende deutscher Kriegsgräber, es sei unverständlich, daß für die wenigen Gräber der NS-verfolgten Sinti und Roma bislang keine angemessene Lösung gefunden sei, sagte Romani Rose vor dem Gespräch mit dem Bundesrat.

Einladung zur Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Sachsenhausen am 16. Dezember 2011, 12.00 Uhr

In der Gedenkstunde im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen wird der Auschwitz-Überlebende und frühere Häftling des NS-Konzentrationslagers Sachsenhausen, Hermann Höllenreiner, sprechen. Hermann Höllenreiner wurde im Jahre 1943 im Zuge der familienweisen Deportationen von Sinti und Roma als Kind von neun Jahren nach Auschwitz verschleppt und verlor während des Dritten Reichs viele Angehörige. Im Winter 1944 brachte ihn die SS in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er schließlich von der russischen Armee befreit wurde.

Die Gedenkfeier beginnt um 12.00 Uhr am zentralen Gedenkort „Station Z".

Es werden sprechen :
Prof. Dr. Günter Morsch, Gedenkstätte Sachsenhausen
Hermann Höllenreiner, ehemaliger Häftling in Sachsenhausen
Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Land Brandenburg
Feliks Byelyenkov, Jüdische Gemeinden Land Brandenburg
Romani Rose, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma.

Anschließend findet die Kranzniederlegung für die Opfer des Holocaust statt.

Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlaß", der die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Europa in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau anordnete. Vom März 1943 an wurden fast 23.000 Sinti und Roma nach Auschwitz deportiert; die meisten von ihnen wurden dort ermordet. Die Anerkennung des Völkermordes an den Sinti und Roma erfolgte in Deutschland erst im Jahre 1982. Erst in den Jahrzehnten danach hat aufgrund der Bürgerrechtsarbeit eine historische Aufarbeitung dieser Verbrechen eingesetzt.

Herbert Heuss
(Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

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